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Pyramide
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Das pyramidiale Zeitalter


  1. Die geschichtliche Entwicklung des Pyramidenbaus
  2. Ein typischer Pyramidenkomplex
  3. Die Bauleistung der Pharaonen der 4. Dynastie

1. Geschichtliche Entwicklung des Pyramidenbaus



Als Vorstufen der Pyramiden gelten in der Ägyptologie die Mastabas, stufenförmige oder bankförmige Grabbauten bzw Grabhügel, wie die gestufte Mastaba von Saqqara (1. Dynastie) oder der weiterentwickelte Gräberhof des Chasechemui in Abydos (2. Dynastie).

Bild 1


In der 3.Dynastie, zur Zeit des Pharaos Djoser (um 2680 v.u.Z.), errichtete sein Architekt, Kanzler und oberster Priester Imhotep die erste Stufenpyramide in Saqqara, nördlich von Memphis. Imhotep, eine schillernde und rätselhafte Person von kleiner Statur , gehörte zu den mysteriösen Gefolgsleuten des Horus, einer Art besonderer Priesterschaft.

Dieser mysterise Imhotep, auch als Begründer der Heilkunst verehrt, gilt in den Mythen als göttlich inspirierter Architekt der ersten Pyramide. Er baute eine riesige Anlage von 0,15 Quadratkilometern , die von einer 10,5 m hohen und 1645 m langen Mauer umgeben ist bzw war. Innerhalb dieser Mauern entstand eine Kultstadt für den Pharao Djoser mit zahlreichen Bauten und Scheinbauten, Terrassen, Tempeln und Statuen. berragt wurde diese Anlage von dem Prototyp einer Pyramide von 60m Höhe und einer Grundflche von 121m auf 109m. Gebaut wurde sie aus 330 000 Kubikmetern Lehm und Stein. Ausgrabungen zeigen uns heute, dass die Bauphase mit einer einfachen rechteckigen Mastaba begann und in mehreren weiteren Phasen vollendet wurde. Damit entstand der erste Pyramidenkomplex, denn auch alle anderen Pyramiden sind nur im Zusammenhang mit ihrem Gesamt- komplex zu sehen.


Bild 2

Nach Z. Hawass. Die Schätze der Pyramiden


In der 4. Dynastie tauchten plötzlich die gigantischen Steinbauten von Snofru (deren gleich drei), Cheops, Chefren und Mykerinos auf. Auch hier möchte ich zunächst diese Pyramiden in ihrem Gesamtzusammenhang, nämlich als Typus eines neuen Pyramidenkomplexes vorstellen, damit man sich in etwa vorstellen kann, welch eine gigantische Anlage einen Pyramidenkomplex ausmachte.


Bild 3 Bild 4

Die beiden Komplexe waren durch einen überdachten Aufweg (hier im Schnitt gezeichnet) verbunden. Nach: Mark Lehner. Das erste Welt-Wunder


Diese sechs Pyramiden, in dem dargestellten Baukomplex, wurden nach der zur Zeit gültigen Chronologie in einem Zeitraum von ca. 100 Jahren errichtet. Allein die Monumente Snofrus enthalten eine Steinmasse von 3,5 Millionen Kubikmeter. Die gewaltigen Pyramiden von Cheops und Chefren beinhalten zusammen etwa 5 Millionen Kubikmeter (nach Stadelmann und Lehner). Zusammen ergibt das 8,5 Millionen Kubikmeter Felsgestein, das in 100 Jahren zu perfekten Pyramiden verbaut wurde. Das ergibt eine Bauleistung von 230 Kubikmetern pro Tag und damit alle 2 Minuten ein Stein von durchschnittlich 2,5 Tonnen perfekt zugeschnitten an Ort und Stelle. Wie perfekt es dabei zuging werden wir noch sehen.

Ab der 5. Dynastie war jedoch überraschenderweise ein deutlicher, ja gravierender Rückschritt in der Bautechnologie erkennbar. Die Pyramiden waren kleiner, aus kleineren Steinen gebaut und ihr Kern bestand nur noch aus Felsgeröll, später aus Lehmziegeln. Sie erreichten nicht einmal 10% des Volumens der Cheops-Pyramide. Die alten Ägypter hatten von Snofru bis Chefren (2575 – 2494 v.Chr.), also innerhalb von zwei bis drei Generationen, den Pyramidenbau zur Perfektion entwickelt und dann wieder alles vergessen. Eine – vorsichtig ausgedrückt –seltsame Entwicklung.


Zur Bauleistung der Pharaonen


Betrachten wir nun die Arbeitsleistung und die Bauausführung unserer Pharaonen. Snofru hat nach Meinung der Ägyptologen mit seinen drei Pyramiden, nämlich die Stufenpyramide von Meidum, die Knickpyramide von Dahschur und der roten oder auch Nordpyramide ein Bauvolumen von 3,5 Millionen Kubikmeter vollbracht. Stellen wir uns vor, die Steine wären 1m hoch, breit und lang. Damit ergäbe sich, würde man die Steine aneinander reihen, eine entsprechende Mauer von 3500 km Länge. Das entspricht, bildlich dargestellt, einer Entfernung in der Luftlinie von Lissabon bis Moskau oder von Washington bis Los Angeles.

Nehmen wir die durchschnittliche Dichte mit 2,27kg/dm3 an, so kommen wir auf ein Gewicht von 2,2t/m3 und damit auf eine Transport- und Bauleistung von 8 Millionen Tonnen! Aus dem Fels geschlagen, exakt behauen und nach einem genialen Bauplan sowie einer unvorstellbaren Logistik an Ort und Stelle v erarbeitet. An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass Snofrus Rote Pyramide keine einfache Bauausfhrung im Vergleich mit Cheops Pyramide darstellt, sondern in Qualitt und Quantitt den Höhepunkt altgyptischer Baukunst darstellt und von Cheops und Chefren nicht mehr bertroffen, sondern nur anders verwirklicht wurde.

Diese gigantische Leistung soll Snofru nach herrschender Meinung innerhalb von 20 Jahren vollbracht haben Das entspräche einer Jahresleistung von 400.000 Tonnen behauenen und verbauten Steins. Bei 300 geschätzten Arbeitstagen pro Jahr und einer Arbeitszeit von 10 Std. pro Tag ergäbe das pro Stunde eine Steinbruch-, Bearbeitungs-, Transport- und Bauleistung von 133,3 Tonnen. Stellen Sie sich dieses Szenario doch bitte einmal nach heutigen Gesichtspunkten vor: Alle 9 Minuten fährt ein Tieflader vor, lädt eine Nutzlast von 20 Tonnen präzise fertig behauenen Steins ab. Dieses angelieferte Baumaterial muss nun ruckzuck an Ort und Stelle verbaut werden, denn in 9 Minuten kommt der nächste Tieflader.

Man kann nun über die Arbeitszeit oder die Anzahl der Arbeitstage pro Jahr diskutieren, über Rampen oder Hebewerkzeuge nachdenken, über die Anzahl der Arbeiter spekulieren, die Leistungen der alten Ägypter bleibt zumindest rätselhaft.

Ich möchte hier keine Außerirdischen oder irgend geheime Leviationskräfte ins Spiel bringen, sondern an dieser Stelle nur deutlich machen, dass hier eine Kultur gewirkt hat, die scheinbar aus dem Nichts erschienen ist und genau dorthin wieder entschwunden ist.

Betrachten wir nun die Bauleistung der großen Pyramide von Cheops in Gizeh unter den gleichen Gesichtspunkten. Die Regierungszeit des Pharaos dauerte nach dem Turiner Knigspapyros (eine Liste der Regierungszeiten der Pharaonen) 23 Jahre. Nehmen wir an, er hätte nach der Besteigung des Throns sofort mit der Planung und nach 3 Jahren mit dem Bauvorhaben begonnen, so dass ihm 20 Jahre für sein Monument verblieben. Das Volumen der Pyramide von Cheops wird auf 2,7 Millionen m3 geschätzt, inclusive Nebenpyramide, zwei Tempel, Kniginnenpyramide, Aufweg und Mastabas. 1) Die Pyramide selbst besteht aus 2.4 Millionen Steinblöcken, berücksichtigt man den Felskern, der aus der vorhandenen Felsformation stehen gelassen wurde und in das Bauvorhaben integriert wurde. Das Durchschnittsgewicht beträgt pro Stein etwa 2,5 Tonnen. Man kann dem entgegenhalten, dass die Steine zur Spitze hin kleiner werden bis hinunter von einem Gewicht von etwa 1 Tonne, jedoch ist es hier ein Phänomen, das in der 201ten Steinlage von ursprünglich 210 Lagen Steine im Gewicht von 2 Tonnen verbaut wurden. Einige Verkleidungssteine aus Kalksandstein am Fuße der Pyramide können bis zu 15 Tonnen wiegen und die aus Granit geschlagenen Deckenbalken der Königskammer sind mit 50 – 80 Tonnen anzusetzen. Die hierzu benötigten Granitvorkommen sind allerdings nur 800 km den Nil aufwärts in Assuan zu finden. Das Gesamtgewicht der Pyramide betrug somit fast 6 Millionen Tonnen. Zudem war die große Pyramide ursprünglich mit hochglanzpolierten Kalksandsteinplatten verkleidet. Reste der im Sand gefundenen Außenverkleidung lassen den Schluss zu, dass die Steinblöcke fast fugenlos zusammengefügt waren.

Stellen wir uns das Szenario beim Bau Cheops-Pyramide analog dem der Pyramide von Snofru vor. Bei einer Bauzeit von 20 Jahren, an 300 Arbeitstagen pro Jahr und einem Arbeitstag von 10 Stunden ergibt sich eine Verarbeitungsgeschwindigkeit von mindestens 120.000 Steinen pro Jahr, 400 Steinen am Tag und 40 Steinen pro Stunde. Alle 1,5 Minuten muß ein Stein mit einem durchschnittlichen Gewicht von etwa 2,5 Tonnen exakt bearbeitet an Ort und Stelle verbaut werden

Setzen wir wieder unseren Tieflader ein, und nehmen eine Nutzlast von 20 Tonnen pro Fahrzeug an. Bei 2,5 Tonnen pro Stein können durchschnittlich 8 Steine auf dem Tieflader transportiert werden, je nach Größe und Gewicht der Steine entsprechend mehr oder weniger.
Bei einer Bauleistung von durchschnittlich 400 Steinen am Tag benötigen wir 50 Fuhren. An einem Arbeitstag von 10 Stunden muss also alle 12 Minuten ein LKW vorfahren, entladen werden und die Steine (2,5 Tonnen!) an die vorgesehene Stelle transportiert und verbaut werden. Das wiederum ergibt eine Verarbeitungsgeschwindigkeit von 1,5 Minuten pro Durchschnittsstein. Fragezeichen?

Man kann hier wieder diskutieren, mit welcher Anzahl an Arbeitern das geschafft wurde. Sind Rampen oder Ramplets eingesetzt wurden? Man weiß ja heute, dass eine Rampe ein Volumen beinhalten würde, das einem vielfachen der Pyramide entspräche. Eine umlaufende Rampe müsste auch ein entsprechende Breite für aufsteigende und absteigende Bautrupps besitzen und wäre damit ebenso unwahrscheinlich, vor allem unter dem Aspekt, dass keine Anzeichen oder zumindest Reste einer derartigen Konstruktion zu finden sind.

Nach dieser Betrachtung der Quantitt dieser gigantischen Bauleistung verblüfft uns die außerordentliche Präzision bis ins Detail und fordert unsere Achtung vor der Qualitt der Bauausführung ein. So hatte schon Flinders Petrie festgestellt, dass die Fugen, auf den ersten Blick kaum sichtbar oder wie Kratzspuren im Stein aussehen, im Mittel eine Breite von 0,5mm haben. Man stelle sich einmal die Leistung vor, Blöcke von mehreren Tonnen Gewicht so passgenau zusammenzufügen. Noch unglaublicher wird diese Bauleistung unter der Berücksichtigung des Vorhandenseins von Mörtel in den Fugen. Diese Technik ist selbst heutigen Bauexperten ein Rätsel.
Da es überhaupt keine Hinweise auf die Bauausführung gibt und wir großzügig annehmen, die Ägypter hätten die Bauleistung vollbracht, so treten neue Fragen auf, betrachten wir die Präzision der Bauausführung.


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