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Die Möglichkeit der Existenz einer ur-sächlichen  Kultur

Pyramiden Silouette

Etwa 3400 Jahre vor Christus ergaben sich in Ägypten grundlegende Veränderungen. Sehr rasch ließ das Land
das Stadium fortgeschrittener Steinzeitkultur mit verwickelter Stammesstruktur hinter sich, und es bildeten sich zwei festgefügte Monarchien. Die eine umfaßte das Deltagebiet, die andere das Niltal. Gleichzeitig trat die Kunst der Schrift ans Licht, eine Monumentalarchitektur, Künste und Handwerke entwickelten sich in erstaunlichem Ausmaß, und alles weist auf die Existenz einer durchorganisierten und sogar üppigen Zivilisation hin. Dies vollzog sich in einem verhältnismäßig kurzen Zeitraum. Die grundlegende Entwicklung der Schrift und Architektur scheint kaum einen geschichtlichen Hintergrund zu haben. Die Forscher sind sich nicht über die Gründe und Ursachen dieses jähen kulturellen Fortschritts einig. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist er hauptsächlich auf den Einfall eines fremden Volkes ins Niltal zurückzuführen. Die Eindringlinge brachten die Fundamente der pharaonischen Zivilation mit
.


1) So Walter B. Emery, Professor für Ägyptologie an der Universität von London.
Doch wer waren diese "Eindringlinge" ? Er selbst vermutet aufgrund vorhandener Funde, insbesondere von Schnitzereien auf einem elfenbeinernen Messergriff und dem Wandgemälde in einem spätdynastischem Grab in Hierakonpolis eine Invasion aus Mesopotamien. Besonders die dort dargestellten fremdartigen Schiffstypen mit hohem Bug und hohem Heck (im krassen Gegensatz zu den auch dargestellten ägytischen Booten) deuten für ihn darauf hin. Aber neben diesen Hinweisen sieht er große Unterschiede und sieht die Frage dem nach der Herkunft der Eindringlinge nach dem heutigen Stand der Wissenschaft nicht beantwortet. Mit den Schiffsdarstellungen erhalten wir auf jeden Fall den Hinweis auf eine seefahrende Rasse, denn eine derartige Schiffskonstruktion macht nur Sinn auf dem Meer bei hohen Wellen, und ist auf Binnengewässern nicht angebracht oder gar unnötig. "Wie dem auch sei," so schreibt er weiter,"gegen Ende des 4.Jahrtausend v.Chr. bildete das Volk, das in der Überlieferung und dem Namen Gefolge des Horus bekannt ist, allem Anschein nach eine zivilisierte Aristokratie oder Herrenrasse, die ganz Ägypten beherrschte. Die Annahme der Existenz einer solchen Herrenrasse wird dadurch gestützt, daß man in Gräbern der späten prädynastischen Zeit im nördlichen Teil Oberägyptens die Knochenreste einer Volksgruppe entdeckt hat, deren Schädel breiter und deren Körper größer waren, als die der Eingeborenen. (vgl. Derry,D.E. The Dynastic Race in Egypt, Journal of Egyptian Archaeology, Bd.42, 1956) Der Unterschied ist so deutlich, daß man unmöglich behaupten kann, diese Menschen hätten sich aus der früheren Rasse entwickelt."
Man kann also erstaunt festhalten, dass sich die Ägyptische Hochkultur recht plötzlich und ohne die geschichtlich übliche Vorlaufzeit entwickelte und auf der Erde präsentierte. Kenntnisse der Mathematik, Technik, Medizin, Architektur und Astronomie haben sich nicht über hunderte oder tausenden von Jahren entwickeln können, sondern sind plötzlich vom Himmel gefallen.
Dieses Fehlen jeder Vorstufen verblüfft auch die konservativen Ägyptologen, wie folgende Anmerkungen von E. Hornung bezeugen: „Sicher ist nur, dass alle wesentlichen Kennzeichen der ägyptischen Schrift, einschließlich des Nebeneinanders von monumentalen Hieroglyphen und kursiver Buchschrift bereits unter den ersten Königen des Einheitsreiches um 2900 v. Chr. greifbar sind. Da keine Vorstufen der ägyptischen Schriftzeichen belegt sind, obgleich zumindest in der vorgeschichtlichen Keramik Schriftträger erhalten ist, hat man die frühere Annahme einer allmählichen Entwicklung „vom Bild zum Buchstaben“ (Sethe) heute allgemein aufgegeben. (Damit meinte man, die Menschen hätten zunächst z.B. einen Fisch gezeichnet, wenn sie einen Fisch meinten. Anm. des Verf.) Die Hieroglyphenschrift scheint wie die anderen frühen Schriftsysteme das Produkt einer Erfindung zu sein, die auf ägyptischem Boden am Ende der Vorgeschichte oder kurz vor 3000 v. Chr. gemacht wurde.“2)
In der wissenschaftlichen Ägyptologie wird nicht die Frage diskutiert – zumindest nicht öffentlich – was die Existenz dieser plötzlich auf der Erdenbühne erschienen frühen und ausgeprägten Kultur für Konsequenzen hat. Für einen Querdenker, wie John Anthony West, ein unabhängiger wie profunder Kenner der frühdynastischen Kultur sagt ebenso deutlich wie provokativ: „Die ägyptische Zivilisation war keine Entwicklung, sie war ein Vermächtnis.“3)
Man kann an dieser Stelle anmerken, daß ein Einfluß der frühen Hochkulturen am Euphrat, z.B. die der Sumer, die Entwicklung der Ägypter beschleunigt oder einen Anschub gegeben hat. Es sind mit Sicherheit einige Parallelen in der Bautechnik und der Schrift zu finden. So finden wir etwa zeitgleich um 3000 v. Chr. viele Ähnlichkeiten in den Bildsymbolen bei den Ägyptern und den Sumerern. Allerdings hat die Entwicklung der Schrift bei beiden Völkern eine unterschiedliche Entwicklung genommen. So kann man die Entwicklung der Hieroglyphen als endlich ansehen, wogegen sich die Schrift der Sumerer als die erwies, welche sich über das Griechische in unsere heutigen lateinischen Schriftzeichen weiterentwickelte.
Obwohl eine direkte Verbindung zwischen den beiden frühen Hochkulturen vorhanden war und nachweisbar ist, erklärt dieser Sachverhalt meiner Meinung nach nicht die plötzlichen kulturellen Errungenschaften auf beide Seiten, sondern wirft die erneute Frage auf: Was hat beide Seiten befruchtet, wer hat den Impuls gegeben?
Diese Frage kann nur geklärt werden, wenn wir eine dritte Kultur, eine Ur–Kultur postulieren, die beiden Seiten die Innovation brachte. So sind  einmal die Gemeinsamkeiten als auch die folgenden gravierenden Unterschiede in der Entwicklung der beiden Hochkulturen erklärbar.

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  1. W.B. Emery. Archaic Egypt. S. 34 ff
  2. E. Hornung. Einführung in die Ägyptologie. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1967
  3. J. A. West. Die Schlange am Firmament. Die Weisheit des alten Ägyptens.
    Zweitausendeins, Frankfurt am Main 2000

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